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Ende gut, alles gut: Matthias Rasch (r.) übergibt die Schlüssel für die alte Wäscherei an die stellvertretende Tafel-Vorsitzende Margot Bartsch. Über die Lösung freut sich auch Senator Sven Schindler.

Ende gut, alles gut: Matthias Rasch (r.) übergibt die Schlüssel für die alte Wäscherei an die stellvertretende Tafel-Vorsitzende Margot Bartsch. Über die Lösung freut sich auch Senator Sven Schindler.© Fotos: Sabine Risch

St. Lorenz Süd

Neue Tafel-Heimat in der alten Wäscherei

Neun Monate waren die Ehrenamtler auf der Suche nach einer Ausgabestelle, jetzt ist ein Standort gefunden.

St. Lorenz Süd. Ein riesengroßer Raum mit einem abgetrennten gläsernen Büro in der Mitte, eine Küche, Toiletten, ein Aufenthaltsraum — insgesamt 220 Quadratmeter und damit Platz genug, dass niemand draußen vor der Tür in der Warteschlange stehen muss: Margot Bartsch, stellvertretende Vorsitzende der Lübecker Tafel, zeigt stolz die neuen Räumlichkeiten, für die sie soeben von „Trave“-Geschäftsführer Matthias Rasch die Schlüssel erhalten hat. „Einfach toll, ich bin begeistert“, sagt sie.

Im Juli vergangenen Jahres hatte die Tafel ihre größte Ausgabestelle in der Innenstadt, zu der regelmäßig 300 bis 350 bedürftige Familien kamen, schließen müssen. Die Räumlichkeiten in der Marlesgrube waren von Schimmel befallen und wurden als gesundheitsgefährdend eingestuft (die LN berichteten). Seitdem war man auf der Suche nach einem geeigneten Ersatz möglichst in der Altstadt.

Doch obwohl auch Sozialsenator Sven Schindler sich bemühte, konnte man hier keine geeigneten Räume finden. Ende September sandte die Tafel einen Hilferuf an die Öffentlichkeit: Wenn man nicht bald eine Lösung finde, sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Zumal die Kundschaft der Tafel durch den Flüchtlingszustrom um 20 bis 25 Prozent gewachsen sei. Die einstige Innenstadt-Kundschaft musste auf andere Ausgabestellen umverteilt werden, was sich — aufgrund der teils großen Entfernung zur Innenstadt — schwierig gestaltete.

Der Kolberger Platz in St. Lorenz Süd ist zwar nicht die Innenstadt. Aber er ist mit der Buslinie 5 schnell zu erreichen, zudem wohnen im Stadtteil selbst Flüchtlinge und andere Bedürftige.

„Danke, danke, danke“, sagt Margot Bartsch bei der Bauabnahme zu Matthias Rasch. „Sie haben Großartiges geleistet.“ 13 Jahre hätten die Räume in dem 1957 errichteten Gebäude leergestanden, nachdem die Wäscherei ausgezogen war, erklärt Rasch. „Hier konnten wir jetzt mit überschaubaren Mitteln einen Zustand herstellen, der eine Nutzung der Räume durch die Tafel zulässt.“ Man habe ohnehin einiges für die Instandhaltung des Gebäudes tun müssen, da sei es dann ganz praktisch gewesen, die Räume für die Tafel-Nutzung herzurichten. Wie hoch die Miete für den gemeinnützigen Verein ist, darüber schweigen sich beide Seiten aus. Nur soviel: „Wir konnten investieren, weil die Miete angemessen ist“, sagt Margot Bartsch. Und Sozialsenator Schindler fügt hinzu, die nun gefundene Lösung sei dem „Zusammenspiel vieler Akteure zu danken, denen die Tafel wichtig ist“.

Der Vertrag mit der Tafel ist auf zwei Jahre befristet — zwei Jahre, die den Tafel-Akteuren Zeit lässt, sich nach einer dauerhaften Lösung umzusehen. Oder aber sich hier so gut zu etablieren, dass sie länger hierbleiben kann. Die Mieter des angrenzenden Wohnblocks habe man über den Einzug informiert, sagt Vermieter Rasch. „Wir hoffen, dass die Akzeptanz da ist.“

„Wir sind überglücklich, dass wir endlich Platz, Licht und eine Unterkunft für mindestens zwei Jahre haben“, freut sich auch Sybille Bogus-Dose, die die Ausgabestelle in der Marlesgrube geleitet hatte und auch die neue Stelle in St. Lorenz Süd führen wird.

Jetzt gilt es, in Eigenarbeit die Räume für die Eröffnung am 26. Mai vorzubereiten. „Nächsten Donnerstag ziehen wir mit Sack und Pack hier ein“, kündigt Margot Dose an. Welche der eingelagerten Sachen aus der Marlesgrube noch verwendbar sind, wird sich zeigen. Erst einmal werden die Wände ein weiteres Mal gestrichen und die Lampen angebracht. Dann geht‘s weiter, Schritt für Schritt.

Hilfe in den Stadtteilen
5 Ausgabestellen der Tafel — je eine in Travemünde, Kücknitz, Moisling, Eichholz und ab 26. Mai in St. Lorenz Süd — gibt es. In der Friedenskirche, Roeckstraße 2, wird donnerstags ab 12 Uhr zudem der Mittagstisch der „Tafelrunde“ gedeckt. Die neue Ausgabestelle befindet sich am Kolberger Platz 1, geöffnet ist sie dienstags und mittwochs ab 10.30 Uhr für Neuanmeldungen, 11.30 Uhr zur Ausgabe.

Sabine Risch